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Winterruhe bei Reptilien: Einleiten. Durchführen. Beenden.

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, beginnt für viele Reptilien in freier Natur die Winterruhe. Durch das extreme Herunterfahren des Metabolismus überleben die wechselwarmen Tiere auch ausgedehnte Perioden, in denen es für das Aufrechterhalten wichtiger Prozesse wie Jagd, Verdauung oder Paarung zu kalt ist. Während in der natürlichen Umgebung der Wechsel der Jahreszeiten die Winterruhe nötig macht, können im Terrarium über das ganze Jahr hinweg gleichbleibende Bedingungen geboten werden. Ist eine Winterruhe in Gefangenschaft überhaupt notwendig?

Artgerechte Haltung: Winterruhe im Terrarium

Die Antwort auf die Frage, ob eine Winterruhe bei Haltung im Terrarium durchgeführt werden soll, lautet: Ja! Denn auch bei wildlebenden Tieren wird diese nicht äußerlich durch die fallenden Temperaturen eingeleitet. Reptilien besitzen eine innere Uhr, die ihnen sagt, dass es an der Zeit ist, alle Aktivität runterzufahren. Diese Uhr wird neben der Temperatur durch Größen wie Sonnenlicht, Mondphasen und Gravitation gesteuert. Könnte man also im Terrarium zwar ebenso wie durch die Beheizung auch durch die Beleuchtung das Andauern des Sommers simulieren, hat man auf den Lauf des Mondes und die Gravitation selbstverständlich keinen Einfluss. Selbst wenn man im Terrarium alle Parameter konstant hält, beginnen die Tiere spätestens zu Beginn des Winters, ihre Aktivität zu drosseln. Zu beobachten ist dann z. B. eine geringere Fressbereitschaft in dieser Zeit. Je nach Art kann man beobachten, dass die Tiere sich tags dauernd in kühleren Zonen aufhalten oder im Boden eingraben und generell eher inaktiv sind.

Vorteile der Winterruhe

Da die Winterruhe in freier Natur überlebenswichtig ist, ist es kein Wunder, dass der Organismus als Ganzes auf diese eingestellt ist: Wichtige Prozesse sind auf die ausgedehnte Ruhephase abgestimmt. Dazu gehören der Stoffwechsel, das Immunsystem, das Hormonsystem und das Wachstum. Die vorprogrammierte Fastenzeit bringt in diesem Sinne u. a. folgende Vorteile:

  • Die Verdauungsorgane können sich erholen.
  • Der Körper kann sich von einem Teil der Darmparasiten befreien.
  • Einläutung der Fortpflanzung, die häufig nach der Winterruhe stattfindet.
  • Der gesamte Körper kann sich regenerieren.

Die Durchführung der Winterruhe schafft also die Voraussetzung dafür, dass alles so funktioniert, wie von der Natur vorgesehen und trägt damit zur allgemeinen Gesundheit und der normalen Entwicklung der Tiere bei.

Negative Folgen einer ausbleibenden Winterruhe

Ein Ausbleiben der Winterruhe beraubt also die Tiere der benötigten Regenerationsphase. Das Zusammenspiel von Stoffwechsel, Immunsystem, Hormonsystem und Wachstum kommt durcheinander. Insbesondere kommt es in der Folge der ausbleibenden Fastenzeit zu unnatürlicher Gewichtszunahme und Wachstum. Diese können einige Probleme nach sich ziehen.
Häufige Folgeerkrankungen von Übergewicht sind etwa:

  • Lebererkrankungen
  • Diabetes
  • Gicht
  • Gelenkprobleme

Durch zu schnelles Wachstum hingegen entsteht oft ein Mangel an Vitaminen und Mineralien, der wiederum zu Fehlbildungen an Skelett oder Panzer führen kann. Auch auf den Hormonhaushalt und das davon abhängige Fortpflanzungsverhalten kann sich eine fehlende Winterruhe negativ auswirken. U. a. kann es zu einer Störung der Eizellen-Reifung kommen.

Gefahren einer falsch durchgeführten Winterruhe

Angesichts der Tatsache, dass die Winterruhe für viele Tiere zum natürlichen Rhythmus gehört und ihr gesamter Organismus darauf eingestellt und abgestimmt ist, ist es nicht verwunderlich, dass ein Fehlen der Winterruhe solche negativen Folgen nach sich ziehen kann. Ähnliches gilt im Übrigen auch für eine falsch durchgeführte Winterruhe. Stimmen die Bedingungen während der Winterruhe nicht, erfüllt die Fastenzeit nicht ihren Zweck. Häufige Fehler sind etwa:

  • zu warm
  • zu kalt
  • zu trocken

Ist es während der Winterruhe dauerhaft zu warm, fährt der Stoffwechsel nicht so weit runter wie er sollte. Die Folge: Die Fettreserven werden schneller verbraucht als von der Natur vorgesehen. Die Leber wird mit Fett überschwemmt und kommt mit dem Abbau nicht hinterher. Das kann zu Leberschäden führen.
Ist es während der Winterruhe zu kalt, kann es zu Erfrierungen kommen. Erfrierungen zeigen sich erst nach der allmählichen Erwärmung der Tiere. Anzeichen für eine Erfrierung können sein: geschwollene, verklebte Augen; Linsentrübung; Ödeme (Bindegewebe ist geschwollen, entweder stellenweise oder im Ganzen);zwischen den Panzerschuppen tritt Flüssigkeit aus; Rötung der Haut; dunkle Verfärbung abgestorbener Hautstellen; Tiere sind regungslos und zeigen geringe Lebenszeichen (besonders tückisch, da während der Winterruhe nicht erkennbar). Ist es zu Erfrierungen gekommen, solltest Du Dein Tier bei hoher Luftfeuchtigkeit um 3 Grad pro Stunde erwärmen. Absterbendes Gewebe, bakterielle Infektionen und Nierenversagen sind lebensbedrohlich. Deshalb suche bei schweren Erfrierungen einen Tierarzt auf. Bis zum Termin kannst Du Deinem Zögling durch eine hohe Luftfeuchtigkeit, Flüssigkeitszufuhr (unter Umständen mit Elektrolyten), Behandlung und Schutz von Wunden mit entsprechenden Sprays und Salben und bei Bedarf durch Behandlung der Augenprobleme helfen. Außerdem sollten die Tiere in einem sterilen Behältnis mit guter Lüftung ohne Streu gehalten werden.
Bei einer zu trockenen Überwinterung können die Tiere austrocknen. Um dies zu verhindern, muss regelmäßig kontrolliert werden, ob dein Pflegling ausreichend hydriert ist. Für einen aussagekräftigen Vergleichswert musst Du Dein Tier daher vor der Überwinterung baden und wiegen. Während der Winterruhe wird dann das Gewicht einmal im Monat kontrolliert. Bei einem Gewichtsverlust von mehr als 10 % sollte die Winterruhe vorzeitig beendet werden. Übrigens: Normalgewichtige Tiere verlieren bei erfolgreicher Überwinterung kaum an Gewicht. Die Fettreserven werden langsam und stetig abgebaut. Ein großer Gewichtsverlust ist von daher mit einem großen Flüssigkeitsverlust gleichzusetzen, weshalb das Wiegen eine verlässliche Methode ist, den Flüssigkeitshaushalt des Tieres zu überwachen.
Bei falscher Überwinterung können insbesondere folgende Krankheiten auftreten:

  • Posthibernale Anorexie: Nahrungsverweigerung, Lethargie (Tier vergräbt sich wieder), Dehydrierung (eingefallene Augen, faltige Haut)
  • Posthibernale Sepsis: Nahrungsverweigerung, Lethargie (Tier vergräbt sich wieder), Dehydrierung (eingefallene Augen, faltige Haut), punkt- oder flächenförmige Rötungen auf Bauch oder Panzer, wässrige Ödeme am Panzer
  • Keratitis: schleimiger, trüber Ausfluss aus dem Auge; Augen sind gerötet, geschwollen, verklebt und/oder verkrustet, zeigen eine Trübung, weiße Auflagerungen, Geschwulste
  • Erfrierungen: geschwollene, verklebte und/oder getrübte Augen, Rötung von Bauch und Panzer bis hin zu dunklen Verfärbungen, Ödeme, Flüssigkeitsaustritt zwischen Panzerschuppen, Schäden an Haut und Panzer, lethargisch bis nahezu leblos

Übrigens: Entgegen der häufigen Annahme müssen auch Jungtiere eine Winterruhe durchführen. Sonst droht ein zu schnelles Wachstum mit Folgen wie Rachitis und Panzerfehlbildungen.
Ausnahme: Untergewichtige und kranke Tiere lassen die Winterruhe aus. Damit die Überwinterung problemlos funktioniert und Folgekrankheiten vermieden werden können, muss sie richtig durchgeführt werden. Wir zeigen Dir im Folgenden wie.

Vorbereitung der Winterruhe

Beleuchtung und Temperatur

Da die Umgebung im Terrarium von der Technik und damit von uns bestimmt wird, müssen wir die Veränderung von Licht und Temperatur im Wechsel der Jahreszeiten durch Anpassung der entsprechenden Werte anpassen. Beleuchtung und Heizung müssen neu eingestellt werden. Praktischerweise richtet man sich dabei nach den heimischen Jahreszeiten. Werden die Tage kürzer, ist es Zeit, auch die Beleuchtungsdauer runterzufahren. Und dies schrittweise. Im Terrarium geht dann die "Sonne" wöchentlich morgens 30 Minuten später auf und abends 30 Minuten später unter.
Sind die Tage im Terrarium nur noch 6 Stunden lang, wird auch die Temperatur runtergefahren. werden die schwächeren Wärmelampen ausgeschaltet. Spätestens im Dezember sollte nur noch mit 30 % beleuchtet und geheizt werden. Wärmematten und Heizkabel, die den Boden erwärmen, sollten jetzt ganz abgeschaltet werden. Denn in der Natur wird der Boden im Winter nicht erwärmt. Mess- und Regeltechnik helfen auch jetzt bei der Einstellung und Überwachung der richtigen Werte. Insbesondere eine Zeitschaltuhr leistet jetzt gute Dienste. Bei großen Anlagen lohnt sich eventuell eine ausgefeiltere Steuerung.
Die richtige Temperatur und Beleuchtungszeit sind für jede Tierart eigens zu recherchieren.

Bodengrund

Vor dem Herbst und dem Antritt der Winterruhe solltest Du den Bodengrund nochmal gründlich reinigen oder austauschen. Während der Winterruhe ist eine regelmäßige Reinigung weder nötig noch sinnvoll. So verhinderst Du, dass Kot- und Futterreste über die Winterruhe vor sich hin faulen und zur Gefahr für die Gesundheit werden. Eine Reinigung während der Winterruhe ist weder nötig noch sinnvoll. Aufgrund der Fresspause kommt es zu keinen nennenswerten Verunreinigungen. Und jede Arbeit am Terrarium schreckt die Tiere aus ihrer Ruhe auf und lässt im schlimmsten Fall den Stoffwechsel wach werden.

Fütterung

Mit Beleuchtungsdauer und Temperatur sollte auch die Futtermenge langsam runtergefahren werden. Bei Futterinsekten ist auch auf den Speiseplan zu achten. Insbesondere proteinreiche Nahrung wie Raupen und Maden liegen jetzt schwer im Magen, denn die Verdauung passt sich den sinkenden Werten an und fährt langsam runter. Stattdessen lieber Grillen und Heimchen füttern. Gleichzeitig werden Vitaminpräparate jetzt wichtiger. Je nach Tier wird die Fütterung einige Zeit vor der tatsächlichen Winterruhe schließlich ganz eingestellt. Oft zeigen die Tiere an, wann es soweit ist, indem sie nichts mehr annehmen. Ansonsten muss für jede Tierart eigens recherchiert werden. Wichtig ist, dass Dein Pflegling die Chance hat, seinen Darm vor der Winterruhe noch einmal zu entleeren, damit Nahrungsreste nicht im Darm faulen.

Gesundheit

Neben dem oben erwähnten Baden und Wiegen zur Kontrolle von Gewicht und insbesondere Hydrierung sollte vor der Winterruhe v. a. eine Kotprobe eingeschickt werden. Wichtig: Sollte ein Befall mit Parasiten festgestellt werden, muss noch genügend Zeit für die Behandlung bleiben, bevor es in die Winterruhe geht. Insbesondere brauchen die Tiere noch etwa zwei Wochen Zeit nach Abschluss der Behandlung, um nochmal zu fressen und abgetötete Parasiten auszuscheiden. Verbleiben Parasiten während der Winterruhe im Darm, können sie sich ausbreiten und die Energie des Tieres verbrauchen. Je nach Befall und Allgemeinzustand kann das tödlich enden.

Überwinterung

Die Anforderungen an Temperatur, Umgebung und Dauer der Winterruhe ist von Art zu Art verschieden und muss entsprechend für den eigenen Pflegling recherchiert werden. Während man viele Reptilien bei Zimmertemperatur in einem kühlen, dunklen Raum im Terrarium überwintern kann, brauchen z. B. Europäische Landschildkröten kältere Temperaturen. Eine Box mit Löchern für den Luftaustausch im Obstfach des Kühlschranks schafft ideale Bedingungen. Für den nötigen Luftaustausch nicht vergessen, die Kühlschranktür alle zwei bis drei Tage mal zu öffnen. Draußen überwintern ist in unseren Breiten für die meisten Exoten keine Option. Zu lange und zu hart sind die Winter, als dass sie dies überleben könnten. Manche Arten wie der Leopardgecko bleiben auch während der Winterruhe aktiv, fressen und bewegen sich aber deutlich weniger als normal. Bartagamen graben sich gerne ein und sind dann für mehrere Monate nicht mehr zu sehen. Bei Tieren, die im Bodengrund überwintern, ist übrigens auf eine ausreichende Feuchtigkeit des Substrats zu achten.

Beenden der Winterruhe

Die Winterruhe wird beendet, wie sie eingeleitet wurde: Durch schrittweises Rauffahren der Beleuchtungszeit und Temperatur. Manche Tiere können die erste Zeit noch die Nahrung verweigern, bis sich der Stoffwechsel wieder angepasst hat.